© Chalabi Architects
© Chalabi Architects

Sheikh Zayed Desert Learning Center

Al Ain, Vereinigte Arabische Emirate

Das Sheikh Zayed Desert Learning Center besticht durch herausragende Architektur ebenso wie durch umfassende Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Energieeffizienz und Versorgung mit erneuerbaren Energieträgern.

Im Auftrag der Regierung in Abu Dhabi entstand in der Stadt Al Ain ein gigantisches Tourismusprojekt nach nachhaltigen Kriterien – ein 400 ha großer Wildlife Park und Resort mit Hotels, Themenparks, Wohnbereichen und der dazugehörigen Infrastruktur.

Das erste Objekt, das im Rahmen des Masterplans realisiert wurde, ist das Sheikh Zayed Desert Learning Center, das als Museum und Forschungszentrum für Wüstenlandschaften und Umweltthemen konzipiert ist. Mit diesem architektonisch und technisch höchst innovativen Bauwerk (Gesamtinvestition 56 Mio. EUR) wird demonstriert, dass nachhaltige Gebäudekonzepte auch in der Wüste umsetzbar sind. Ziel war es, mit Hilfe innovativer Bauweisen und Technologien eine beachtliche Reduktion von Umwelteinflüssen und Lebenszykluskosten zu erreichen.

Ausgangspunkt für das architektonische Konzept war die Idee, dass sich das Gebäude aus der Landschaft entwickeln und in seiner Ausformung und Gestaltung an die raue, zerfurchte Umgebung anpassen soll. Die Architekten entwarfen eine begehbare Skulptur in Form einer Raumspirale, die an ihrer höchsten Stelle fast 20 Meter über die Wüstenlandschaft ragt. Der rund 14.000 m2 große Baukörper entwickelt sich um einen zentralen Innenhofbereich und mündet in einen hoch gelegen Aussichtsbereich, der den Blick auf den Wildlife Park und die zerklüfteten Bergrücken des Jebel Hafeet, den höchsten Berg der Arabischen Emirate, eröffnet.

Es kamen großteils lokale Baumaterialien zum Einsatz, so wurde etwa die komplette Gebäudehülle mit Natursteinen aus dem benachbarten Oman gestaltet. Durch eine unterschiedliche Oberflächenbehandlung des Sandsteins wurden glatte und raue Flächen geschaffen, die die rautenförmige Fassadenstruktur bilden.

Eine zentrale Herausforderung beim Bauen in heißen Klimaregionen ist die Kühlung von Gebäuden, die in der Regel einen sehr hohen Energiebedarf erzeugt. Wie schon das architektonische Konzept dazu beitragen kann, den Kühlbedarf maßgeblich zu reduzieren, zeigt das Desert Learning Center.

Das Gebäude wurde in die Tiefe gebaut – ein Drittel der Kubatur liegt unterhalb des Terrains. Die Gebäudeeingangszone ist nach Norden ausgerichtet. Durch den geringen Wärmedurchgangskoeffizienten und die hohe Speichermasse der Außenhülle, die durch massive Betonwände mit einer gedämmten und hinterlüfteten Sandsteinfassade erreicht wurden, konnte der Kühlbedarf des Gebäudes entscheidend verringert werden. Der Bau hat einen überdachten Innenhof sowie einen schattigen Hof im Außenbereich, wodurch eine weitere Klimaregulierung bewirkt wird.

Einen wichtigen Beitrag zur Verringerung des Kühlbedarfs leisten auch die tiefen Laibungen der Fenster und die Dachvorsprünge vor den großen Glasfassaden, die den Einfall des direkten Sonnenlichts minimieren. Dennoch wird ausreichend Tageslicht in das Gebäude gelenkt, so dass in Kombination mit dem innovativen Lichtkonzept für eine energiesparende Ausleuchtung der Innenräume gesorgt ist.

Das Sheikh Zayed Desert Learning Center ist ein nahezu energieautarkes Gebäude, das dank Solarthermie, Erdkühlung und Photovoltaik die Grundlast nahezu durchgehend zu 80 % selbst über erneuerbare Energien bereitstellen kann. Durch die sinnvolle Kombination von aktiver und passiver Solarenergienutzung sowie den Einsatz von wasser- und energiesparenden Systemen konnte das Gebäude im Bereich Nachhaltigkeit höchste Kriterien erfüllen.